Im Alltag Freunde finden

Warum ist es so schwer Freunde zu finden

Wie einfach war es doch in der Kindheit. Ein Keks, ein Stück Schokolade oder den Fußball ausgeliehen; und schon hatte man einen Freund gewonnen.

Zumindest so lange, bis der urplötzlich erklärte: „Du bist nicht mehr mein Freund“, oder „Du bist nicht zu meiner Geburtstagsparty eingeladen.“

Als Erwachsener scheint es um so viel schwieriger, im Alltag Freunde zu finden – wirklich?

Alltagssituationen die sich zum Kennenlernen anbieten

Du stehst beim Wocheneinkauf schweigend in der Warteschlange an der Kasse. In der Behörde hast du Nummer 87 am Automaten gezogen und widmest dich deshalb dem Spiel in deinem Smartphone. Und im Aufzug schaust du betreten auf deine Schuhspitzen, anstatt den anderen Fahrgästen offen in die Augen.

Alltagssituationen wie diese lassen sich durchaus positiver gestalten, ohne dass du dabei Angst vor Peinlichkeiten haben musst. In den USA und vor allem in Kanada ist es schon beinahe eine gesellschaftliche Pflicht, einen kleinen Plausch mit anderen Wartenden vor der Kasse zu halten.

Egal ob die im Supermarkt, am Theatereingang oder am Tor zum Freizeitpark steht. Und du wirst überrascht sein, wie gerne sich wartende Menschen in ein kurzes Gespräch verwickeln lassen – auch in Deutschland.

Nur ist es hier nicht üblich, weshalb sich solche Unterhaltungen eher selten ergeben.

Ein Gespräch mit wildfremden Menschen beginnen – wie macht man das?

„Das Wetter ist schön.“, ist als unverfängliche Ansprache an eine unbekannte Person zwar ein Anfang, aber keiner, auf den du eine Unterhaltung aufbauen kannst. Schau in den Einkaufswagen der Person hinter dir und frage, ob das Haarshampoo wirklich so gut ist oder ob die Cracker tatsächlich lecker sind.

Deine Grundeinstellung und deine Körperhaltung öffnet oder versiegelt Türen
Lächeln, sich positiv darstellen, sind die Grundregeln, die zu einem festen Freundeskreis führen. Zeige, dass du dich sorgst, ohne dabei zu übertreiben und wie ein Glucke zu wirken. Sei für jemanden da, wenn er dich braucht.

Mit 20 ist alles einfacher

Tanzen, Alkohol und die temperamentvolle Gehirnchemie machen es uns relativ leicht, in jungen Jahren im Alltag Freunde zu finden. Dies beweist die Evolutionspsychologie: Der Oxford-Professor Robin Dunbar, eine Autorität für Freundschaften, sagt, dass die performative Synchronizität von Tanz und Rausch Menschen verbindet.

Deshalb werden unsere intensivsten Freundschaften gemacht, wenn wir um die 20 Jahre alt sind. Dann beginnen die Leute zu heiraten, Kinder werden geboren und wir konzentrieren uns auf unsere Karriere.

Dunbars Forschung zeigt auch, dass wir durchschnittlich zwei Freundschaften verlieren, wenn wir eine romantische Beziehung eingehen oder eine andere wichtige Lebensentscheidung treffen, wie einen Umzug.

Was auch immer passiert, wir neigen dazu, Freunde zurückzulassen, zu verraten oder schlicht zu vergessen. Irgendwann steigt dann die Angst vor der Einsamkeit auf und wir wollen neue Freunde finden.

Um Freunde zu finden, Sei opportunistisch

Wir lassen Freundschaftsgelegenheiten jeden Tag an uns vorübergehen, weil wir zu ungeschickt, zu selbstgefällig oder zu schüchtern sind, um sie zu ergreifen. Habe den Mut, das zu ändern.

Anstatt ein wenig Smalltalk mit deinem freundlichen Nachbarn zu erzwingen, bitte den um eine Tasse Kaffee und lerne ihn/sie kennen.

Auf einer Party triffst du die Schwester deines Freundes. Füge sie auf Facebook, Instagram oder twitter deinem Freundeskreis hinzu und lade sie irgendwann einmal zum Milchkaffee ein. Selbst wenn sie nicht deine Freundin wird; sie hat Freunde, die vielleicht auch deine werden.

Anstatt die gleiche Person im Aufzug auf dem Weg zum Büro routinemäßig jeden Morgen zu begrüßen, schlage einen Feierabenddrink vor, um die Woche zu besprechen. Beobachte aufmerksam dein Umfeld und mache dir eine Liste der Menschen, die du regelmäßig triffst. Du wirst überrascht sein, wie viele potenzielle Freunde sich bereits in deinem Orbit befinden.

Wappne dich, verletzt zu werden

Wir machen uns zu viele Gedanken darüber, dass jemand, der nach einem Kaffee oder Abendessen fragt, zu sehr nach einem Date fragen könnte. Wir haben Angst, zurückgewiesen zu werden. Wenn wir hoffen, im Alltag Freunde zu finden, müssen wir diese Ängste beiseite legen und ein wenig Verletzlichkeit riskieren.

Wenn du jemanden magst und du möchtest die Person wiedersehen; frag, ob ihr die Telefonnummern tauschen könnt. Füge die neue Bekanntschaft in sozialen Medien hinzu und hast du die Kühnheit, sprich eine Einladung aus.

Du wirst dabei auf Menschen stoßen, bei denen du erst beim zweiten, dritten oder zwanzigsten Treffen feststellen musst: diese Person kommt für dich nicht als enger Freund in Frage! Lass dich nicht von dieser Erfahrung entmutigen!

Von Mitmenschen enttäuscht werden, gehört zum Leben. Goethe hat das vortrefflich formuliert, als er schrieb: „Wenn dir’s in Kopf und Herzen schwirrt, was willst du besseres haben? Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben!“

Beginne mit einer gemeinsamen Aktivität

Bist du zu nervös, zu unsicher oder zu schüchtern, um gleich intensive Gespräche mit dem potenziellen Freund zu führen, schlage eine Aktivität vor.

Dies gibt dir die Möglichkeit, sich darauf zu konzentrieren, den vielleicht neuen Freund besser kennenzulernen und sich an die Person zu gewöhnen – bis du genug Vertrauen gefunden hast, um den nächsten Schritt zu wagen.

Ideal dafür ist der Kinoabend, das Theaterstück oder eine Comedy-Nacht, denn die Aussicht im Dunkeln neben einem neuen Freund zu sitzen, ist weniger gruselig, abschreckend oder stressig.

Aber auch ein Spaziergang im Park, der Besuch eines Fußballspiels oder ein Rundgang in einem Museum kann passend sein.

Wähle etwas aus, das Hinweise darüber gibt, wer du bist. Hüte dich aber davor etwas auszusuchen, was zeigt wer du gerne sein möchtest. Um es deutlicher zu machen: kaufe keine Karten fürs Ballett nur um Eindruck zu schinden, wenn dich ansonsten der klassische Tanz nicht interessiert und du keine Ahnung davon hast.

Baue ein wenig Intimität auf

Versuche eine wirklich gute Unterhaltung mit einem neuen Bekannten zu führen, um die Person als Freund zu gewinnen. Shortcuts zur Intimität beinhalten, etwas Persönliches über sich selbst zu enthüllen und einen gemeinsamen Nemesis zu finden.

Denke darüber nach, was du über diese Person wissen möchtest. Wage dich über Fragen nach dem Lebensunterhalt und Job, nach der Schule und der Familie hinaus. Mache eine kleine Bestandsaufnahme deines eigenen Lebens und entscheide, welche Begebenheiten daraus du gerne teilen würdest.

Verwende im Zweifelsfall Technologie

Wir leben in einem Zeitalter konstanter Konnektivität, also nutze dies zu deinem Vorteil. Fang auf Twitter an, mit jemandem zu scherzen und dann, wenn es angemessen erscheint, lade zum Kaffee ein. Blätter durch Instagram, um einen Blick auf die Person zu werfen, der du deine Welt zeigen willst.

Nutze unsere Omnipräsenz online, um jemanden kennenzulernen, was besonders für introvertierte Menschen vorteilhaft ist.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Freundschafts-Apps, Dating-Portale und Interessengruppen, die es dir ermöglichen, gezielt im Alltag Freunde zu finden. Nutze zuerst die Technik, um später im Offline-Modus die neuen Bekanntschaften persönlich zu erleben und eine Beziehung zu vertiefen und so im Alltag Freunde zu finden.

Autor: Apollo O. Bruckner, M.Foerster