psychischen Störungen
psychische Störunge

Wie erkennt man das jemand psychisch krank ist?

Die Anzahl der psychischen Störungen ist auf dem Vormarsch, leider gestehen sich viele Menschen aber nicht ein, dass sie professionelle Hilfe benötigen. Immer noch sind psychische Störungen schambesetzt und nicht so akzeptiert, wie körperliche Erkrankungen. Daher ist es wichtig, dass du die Zeichen erkennst, wann ein Mensch in deinem Umfeld psychisch krank ist.

psychische Störungen – das musst du wissen:

  • Die Diagnosestellung von psychischen Krankheiten ist einzig Ärzten und Psychotherapeuten vorbehalten.
  • Ein sensibler und rezeptiver Umgang mit seelischen Krankheiten ist dennoch wichtig, da die Betroffenen sich nicht immer eingestehen können, dass sie Hilfe benötigen.
  • Eine psychische Erkrankung betrifft nicht nur den Erkrankten, sondern auch dessen Umfeld.
  • Psychische Erkrankungen gehen oftmals mit psychosomatischen Symptomen und einem hohen Leidensdruck einher.
  • Um eine psychische Krankheit von normalen Anpassungsstörungen abzugrenzen, ist die Dauer der Symptome ein wichtiger Indikator.

1. Hoher Leidensdruck und Restriktion im Alltag

Menschliche Eigenarten und psychische Besonderheiten gibt es wie Sand am Meer. Nicht immer liegt dem eine seelische Störung zugrunde.

Doch es gibt ein klares Indiz, wann es sich um eine psychische Störung handelt: Der Leidensdruck, den die betroffene Person verspürt und die Beeinträchtigung im Alltag.

Diese beiden Anhaltspunkte kommen auch in der psychologischen Diagnostik zum Einsatz. Kann ein Mensch aufgrund seiner Ängste nicht mehr arbeiten oder einkaufen gehen, beeinflusst das sein Leben maßgeblich. Hier würde man, unter der Hinzuziehung weiterer Diagnosekriterien, von einer Angststörung sprechen.

Ein hoher Leidensdruck ist auch immer ein Zeichen dafür, dass die betroffene Person selbst aus der Situation nicht mehr herauskommt. Es liegt also nahe, dass sich das seelische Leiden in eine psychische Störung manifestiert hat.

2. Verzerrte Wahrnehmung

Die Wahrnehmung beschreibt die Fähigkeit, alles, was um uns herum passiert mit den Sinnen wahrzunehmen. Der Mensch verfügt über fünf Sinne: hören, sehen, riechen, schmecken und fühlen.

Sind wir beziehungsweise unsere Psyche gesund, erkennen wir Geräusche, Farben, Formen, Gerüche, Geschmäcker, Berührungen und Oberflächenstrukturen. Auch wenn jeder Mensch seine Umwelt auf eine individuelle Weise wahrnimmt, gibt es doch gewisse Gegebenheiten, die universell sind.

So ist das Gras nun mal grün und der Kreis rund. Psychisch kranke Menschen leiden in bestimmten Fällen unter kognitiven Verzerrungen. Sie nehmen sich und ihre Umwelt fehlerhaft wahr. Das ist zum Beispiel bei Menschen mit einer Essstörung der Fall: Der Betroffene sieht sich als zu dick oder als zu dünn, obwohl offensichtlich das Gegenteil der Fall ist. Ebenso kann es sein, dass psychisch Kranke etwas nicht Existierendes wahrnehmen.

Sie sehen oder hören dann Dinge, die gar nicht da sind. Damit leiden sie unter visuellen oder akustischen Halluzinationen. Derartige Einbildungen werden von den Betroffenen als absolut real erlebt. Das heißt, sie sind sich über den illusionistischen Charakter gar nicht im Klaren, werden aber stark von ihren Einbildungen eingeschränkt.

3. Psychosomatische Symptome

Körper und Psyche sind eng miteinander verbunden. Ist eines von beiden aus dem Gleichgewicht geraten, leidet das andere meist mit.

Bei körperlichen Beschwerden ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle, dieser überweist gegebenenfalls zum Spezialisten, dieser in die Klinik und zum Schluss landet der Patient wieder beim Hausarzt.

Ist der Befund unauffällig und das Spektrum an Diagnosemöglichkeiten ausgeschöpft, fällt zum ersten Mal der Begriff psychosomatisch. Dieser beschreibt den Zusammenhang zwischen körperlichen und seelischen Leiden, es liegt als eine Art Seele-Leib-Problem vor. Meist stößt diese Aussage des Arztes auf wenig Gegenliebe beim Patienten, weil psychosomatische Beschwerden nicht wirklich greifbar sind.

Betroffene wollen die psychische Komponente ihres Leidens oftmals nicht anerkennen, weil ihnen ein körperliches Gebrechen lieber wäre. Das liegt daran, dass psychische Krankheiten auch heute noch als abstrakt und gesellschaftlich weniger anerkannt gelten.

4. Einschränkung der Gedanken und stereotypes Verhalten

Kurzzeitige Ausraster unserer Gedanken und unseres Verhaltens sind vollkommen normal. Ausrasten hat übrigens nicht zwangsläufig etwas mit aggressivem Verhalten zu tun. Neutral betrachtet bedeutet das nur aus dem Raster zu fallen oder von der Norm abzuweichen. Ein klares Indiz für eine psychische Erkrankung ist es, wenn der Betroffene den Weg in die Normalität nicht mehr findet.

Wir alle sind mal traurig oder ausgebrannt, hier würde niemand gleich an eine psychische Störung denken. Schwierig wird es dann, wenn sich Niedergeschlagenheit und Erschöpfung manifestieren. Selbst wenn es Grund zur Freude gibt, kann er diese nicht spüren und verharrt weiter in seiner Traurigkeit.

Zeigen sich Gedanken und Verhalten zunehmend unflexibel und das über mehrere Wochen hinweg, ist das ein Indiz für eine psychische Erkrankung. Dasselbe gilt für die extreme Fixierung auf bestimmte Situationen oder Menschen. Lösen diese Verankerungen Leiden und Beeinträchtigungen im Leben aus, besteht ein psychisches Problem.

5. Verändertes Bewusstsein und eine geringere Aufmerksamkeitsspanne

Täglich werden wir mit unzähligen Sinneseindrücken und Geschehnissen überflutet. Ein Großteil davon verschwindet mit der Zeit wieder aus unserem Bewusstsein, weil wir diese Menge an Informationen gar nicht verarbeiten könnten. Die Veränderung des Bewusstseins (also eine Stärkung oder Schwächung) geht oftmals mit einer psychischen Störung einher.

Es kann zum Beispiel passieren, dass der Betroffene ständig Dinge tut, die er gar nicht begründen kann. Oder, dass er seine Umwelt auf einmal getrübt wahrnimmt. Ebenso ist es möglich, dass seine Sinne so geschärft sind, dass er jedes kleine Detail bemerkt und sich dadurch permanent überfordert fühlt.

Besonders schwierig wird es, wenn diese Bewusstseinsflüchte wichtige Situationen, wie das Verhalten im Straßenverkehr einbeziehen. Ein psychisches Problem lässt sich auch vermuten, wenn es Veränderungen in der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit gibt. Entweder ist der Betroffene nicht in der Lage sich auf ein Ereignis zu fokussieren oder seine periphere Aufmerksamkeit ist gestört. Letzteres beschreibt die Minderung der Fähigkeit, trotz hohem Konzentrationsanspruch seine Umwelt wahrnehmen zu können.

Eine psychische Erkrankung ist nichts, wofür man sich schämen muss. Genetische Dispositionen, biografische Ursachen oder belastende Ereignisse können die Seele aus dem Gleichgewicht bringen. Auch aus einer leichten psychischen Labilität kann sich eine Störung entwickeln.

Für die Betroffenen ist diese Ungewissheit meist schwer auszuhalten:

„Auf der einen Seite zu merken, dass etwas nicht stimmt und auf der anderen Seite nicht zu wissen, wie sie damit umgehen sollen.“

Falls auch du Menschen in deinem Umfeld kennst, die darunter leiden oder du selbst betroffen bist, soll dieser Beitrag dir eine erste Orientierung geben. Das Erkennen beziehungsweise Anerkennen einer psychischen Störung ist essenziell für eine erfolgreiche Therapie.

Quellen:

  • Kröger, A.: (2018). Klinische Psychologie: Erkenne und verstehe psychische Störungen wie die Neurose, Psychose, Borderline, Schizophrenie, Angst. BookRix.
  • Hans-Ulrich Wittchen, H.-U.; Hoyer, J. (2011). Klinische Psychologie & Psychotherapie. Berlin: Springer.