Was ist Intuition – Das Bauchgefühl in der Neurobiologie

Letztlich ist die Intuition, also die Vorahnung, ein von der Natur eingerichtetes Warnsystem, das vor allem unseren Vorfahren in kritischen Situationen half. Dennoch sagen die Wissenschaftler aus dem Bereich der Neurobiologie der Intuition, dass in der heutigen Zeit dieses innerliche Alarmsignal von großer Bedeutung ist. Die Begrifflichkeit habe sich jedoch geändert. Heute wird vom Bauchgefühl gesprochen.

Für einige Zeit verpönt, ist das Bauchgefühl heute eine wichtige Entscheidungshilfe im Alltag. Nicht jeder Beschluss wird allein von der Vernunft gesteuert. Trotzdem gibt es viele Menschen, die es für richtig halten, alles mit einer guten Begründung zu entschließen.

Dabei ist die Stimme tief in deinem Inneren schon immer der beste Ratgeber in der Not gewesen. Doch nicht jeder weiß, was sich hinter der Neurobiologie der Intuition verbirgt. Auch stellt sich die Frage, ob eine natürliche Intuition erlernbar ist. Darum geht dieser Artikel auf einige Fragen ein, die sich immer wieder stellen, nämlich:

1.) Was ist eigentlich Intuition?
2.) Was hat das Unterbewusstsein damit zu tun?
3.) Kann Intuition erlernt werden?
4.) Wobei kann die Intuition helfen?
5.) Was sagt die Forschung dazu?

Übrigens wird die Intuition im Volksmund auch gerne der sechste Sinn genannt. Und dieser ist neben dem Riechen und Schmecken, dem Hören und Sehen, sowie dem Fühlen alles andere als unwichtig.

Wie kann Intuition erklärt werden?

Die Annahme, der Begriff könnte durch einfache Worte wie Vorahnung, Instinkt oder eben Bauchgefühl ersetzt werden, wäre zu einfach. Denn die Neurobiologie der Intuition hat im Laufe der Zeit neue Erkenntnisse errungen, anhand derer es sich eben nicht nur um emotionsgesteuerte Handlungen dreht. Intuition ist eine innere Eingebung, die dich zu Entscheidungen treibt, die du sonst so nicht getroffen hättest. Doch es gibt dir ein besseres Gefühl, auf dein Innerstes zu hören, und in den meisten Fällen zahlen sich so getroffene Entschlüsse oftmals aus.

Tatsächlich wurden früher gerne die rechte und die linke Hälfte des Gehirns für Entscheidungen verantwortlich gemacht. Menschen, die eher die rechte Gehirnhälfte zum Denken nutzen, sind diejenigen, die eher nach Logik und Vernunft gehen, Linksdenker nehmen eher ein inneres Gefühl zum Anlass, wenn sie nächste Schritte einleiten.


Dass die Wahrheit praktisch buchstäblich in der Mitte liegt, hat Dr. Keiji Kanaka vom RIKE Brain Institute mit einer Studie zur Thematik der Neurobiologie der Intuition dargestellt. Bei der Beobachtung von Shogi-Spielern ergab das dabei erstellte MRT, dass der Precuneus eine große Rolle bei Entscheidungsfindungen spielt. Er liegt nicht etwas links oder rechts im Gehirn, sondern befindet sich am Partiallappen ziemlich genau in der Mitte der Gehirnhälften. Für die visuelle Verarbeitung und auch für das Langzeitgedächtnis ist der Precuneus ausschlaggebend.

Welche Rolle spielt das Unterbewusstsein in der Neurobiologie der Intuition?

Für das Bewusstsein an sich hat der Precuneus durchaus eine Bedeutung. Durch die Verbindung mit dem ventromedialen präfrontalen Cortex ruft er Gefühle ab, die sich im Laufe der Zeit in dir angesammelt haben. Es geht dabei um das Gefühl des Verlustes bei Niederlagen, um Trauer oder auch Angst.

Selbstverständlich liegen in diesem Speichermedium des menschlichen Gehirns auch Emotionen der guten Art, wie beispielsweise Erfolge, Freude oder gar Euphorie. Nicht zuletzt erinnerst du dich ganz unbewusst an Dinge, die dir irgendwann widerfahren sind, und anhand dieser Erinnerung entscheidest du ganz aus dem Bauch heraus, wie du dich in einer aktuell vorliegenden Situation entscheiden musst. Bei der Neurobiologie der Intuition ist also das Unterbewusstsein der Auslöser für das Bauchgefühl selbst.

Ist es möglich, Intuition zu erlernen?

Die Frage ist zu komplex, um sie mit einem schlichten Ja zu beantworten. Zunächst einmal handelt es sich bei diesem Lernprozess um eine Art der Gewöhnung. Es erfordert den Mut, die Logik einfach beiseitezuschieben und sich auf das intuitive Gefühl einzulassen. Für Menschen, die jeden ihrer Schritte begründen und belegen wollen, ist das leichter gesagt, als getan. Doch wenn auch nur eine gute Lösung aus so einer Bauchentscheidung erwachsen ist, so wird diese im Gehirn abgespeichert und in ähnlichen Situation abgerufen werden. Mit jedem Mal fällt es also leichter, sich auf den Bauch zu verlassen.

Letzten Endes werden Vorgehensweisen ohnehin zunächst erwogen, bevor ein Entschluss gefällt wird. Das unterscheidet die logischen Denker keineswegs von denen, die eher auf ihre Emotionen setzen. Denn auch das Bauchgefühl gilt in der Neurobiologie der Intuition nicht als irrationales Denken. Es liegt in beiden Fällen ein biochemischer Vorgang zugrunde.

Ist die Neurobiologie der Intuition in der heutigen Zeit noch eine Hilfe?

Das ist sie in jedem Fall, die Erforschung der Gedanken und deren Herkunft, aber auch die Art, wie sich Personen in Situationen verhalten, sind eine gute Hilfestellung für den Alltag. Doch nicht nur große Forscher können zu diesem Thema Studien erstellen, du kannst dich auch selbst erforschen.


Denn in jedem Leben hat die Neurobiologie der Intuition eine Bedeutung, ohne dabei wirklich wahrgenommen zu werden. Wenn du vor Situationen stehst, die du in ähnlicher Form schon einmal erlebt hast, dann wird dein Gehirn eine Erinnerung abrufen.

Je nachdem, was in diesem Zusammenhang in der Vergangenheit passiert ist, meldet sich dann dein Bauchgefühl und warnt dich. Da jede Begegnung im Leben anders verläuft, liegt es nun an dir, zu entscheiden, wie du dich verhalten möchtest.

Dabei nimmst du unbewusst alte Erfahrungen und fütterst dein Gehirn mit neuen Einflüssen und Gegebenheiten. Erst dann fällst du eine Entscheidung. Was sich hier so darstellt, als wäre es gar nicht so einfach, passiert in Sekundenschnelle und von dir nahezu unbewusst. Überdenkst du in einem späteren Moment solche Erinnerungen und die Emotionen, die damit verbunden sind, erkennst du schnell, dass sich das Bauchgefühl immer wieder bemerkbar macht. Es ist also noch immer ein Alarmsignal, dass dir helfen will, die richtige Richtung im Leben einzuschlagen.

Stimmen aus der Wissenschaft

Der Neurobiologie der Intuition widmet sich mittlerweile ein ganzer Stab von Forschern. Wurde diese Wissenschaft früher noch als nichtssagend belächelt, finden sich heute zahlreiche Fachbücher, die sich mit dem Bauchgefühl beschäftigen. In der Hirnforschung hat dieser Bereich einen festen Stellenwert, da die Intuition ganze Abläufe des menschlichen Verhaltens bestimmen kann.

Somit sind persönliche Schicksale, aber auch deine Mitmenschen unmittelbar von deiner inneren Stimme abhängig. Es ist jedenfalls keine vergeudete Zeit, wenn du dich ein wenig mit der Neurobiologie der Intuition beschäftigst. Auf diese Weise lernst du nicht nur dich, sondern auch dir nahe stehende Personen besser kennen.

Entscheidungen basieren zum großen Teil auf den Abläufen der Neurobiologie der Intuition. Das mag für Menschen, die sich selbst als Logiker bezeichnen, nicht einfach zu akzeptieren sein.

Doch das Gehirn lässt sich nicht so einfach austricksen und Erinnerungen verbleiben immer in diesem genialen Rechenzentrum des Körpers. So kann schnell aus einer gut durchdachten Sache eine emotionale Entscheidung werden, wenn sich das körperliche Warnsignal im richtigen Moment meldet. Und das wird es, darauf kannst du dich verlassen.

Stefanie Iatrou, Psychologin
Stefanie Iatrou, Psychologin
Stefanie Iatrou ist Psychologin und Mentorin, als Autorin schreibt sie im Gedankenportal oder lehrt über zwischenmenschliches Verhalten und Interagieren sowie Krisenmanagement und Meditation.

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