Die 7 bekanntesten deutschen Psychologen und ihre Thesen

ekanntesten deutschen Psychologen und ihre Thesen
Sigmund Freud, Stanley Hall, Carl Gustav Jung, Abraham Arden Brill, Ernest Jones und Sándor Ferenczi. Photograph, 1909. Galerie von Wellcome Collection (03.04.2018): https://wellcomecollection.org/works/mgyaqahc CC-BY-4.0

Wir zeigen Euch hier die bekanntesten deutschen Psychologen, die mit ihren Thesen und Ansichten eine herausragende Rolle in der Geschichte spielen. Auch wenn einige ihrer Theorien heute als überholt gelten, sind sie der Grundstein unseres heutigen Wissensstands oder werden sogar im klinischen Bereich angewandt.

bekannten Psychologen
Auf welche bekannten Psychologen beruhen heuitige Therapieformen, Copyright: Cristina Bernazzani, bigstockphoto

Was Du über Psychologen wissen musst:

  • Sigmund Freud gilt als der bekannteste Psychologe und Psychiater, wird sogar als Über- oder Urvater der Psychologie bezeichnet. Er prägte den Zweig der Psychoanalyse maßgeblich, wenngleich viele seiner Theorien heute als überholt gelten.
  • Wilhelm Wundt ist ebenfalls ein wichtiger Vertreter, da er als der Erschaffer der wissenschaftlichen Psychologie gilt. Der deutsche Psychologe machte es sich zum Ziel, Emotionen und Gedanken messbar zu machen.
  • Auch heute noch vollziehen wir die Gedankengänge der psychologischen Vorreiter nach und bedienen uns an deren Theorien, wenden sie sogar im klinischen Bereich an.
  • Der deutsche Psychologe Erik H. Erikson ist der Schöpfer der psychoanalytischen Ich-Psychologie. Besonders bekannt ist sein Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung.
  • Die bekannte „Berliner Schule der Gestalttherapie“ bestand aus der Gruppe rund um Kurt Lewin, Wolfgang Köhler, Max Wertheimer, Kurt Koffka und Kurt Goldstein. Bekannt ist sie in erster Linie durch ihre Experimentalforschung auf dem Gebiet der Wahrnehmung.
  • Der deutsche Psychologe Wilhelm Wundt oder Erik H. Erikson sind nicht nur große Denker, sondern auch Männer, die einen enormen Beitrag zur Wissenschaft über das menschliche Erleben und Verhalten geleistet haben.

 

Diese 7 deutschen Psychologen solltest Du kennen

Sigmund Freud (1856 bis 1929)

Er ist wohl die bekannteste Person, wenn es um Psychologie geht. Sigmund Freud war ein österreichischer Arzt und Neurologe, der zwischenzeitlich aber auch in Leipzig lebte. Er gilt bis heute als einer der Intellektuellsten des 20. Jahrhunderts. Zusammen mit dem Arzt Joseph Breuer stellt er den Fall der Anna O. in den „Studien über die Hysterie“ vor.

Dies war ein wichtiges Ereignis, denn es veranlasst ihn dazu, bei der Hysterie-Behandlung nicht nur auf Hypnose zu setzen, sondern die Technik der „freien Assoziation“ anzuwenden. Hier kommt die Macht des Unbewussten ins Spiel. Dadurch, dass er seine Patientinnen (Hysterie galt als typisch weibliche Störung) frei assoziieren ließ, dachte er, in ihr Unterbewusstsein zu gelangen.

Seine Tochter Anna Freud führte seine Theorien später fort. Freud lässt sich als Vater der Psychoanalyse bezeichnen. So geht auch das bekannte Instanzenmodell auf ihn zurück.

Er definierte das „Es“, „Ich“ und „Überich“. Die drei Instanzen beschreiben die Triebe (Es) und die Moral (Überich) eines Menschen. Das „Ich“ gilt dabei als Vermittler dieser. Ein weiterer Meilenstein seiner Studien ist die psychosexuelle Entwicklung. Laut Freud durchläuft ein Kind verschiedene Phasen der sexuellen Entwicklung, zum Beispiel die orale Phase, in welcher es alles mit dem Mund erforscht.

Treten in einer der Phasen Probleme auf, kann das nach Freud im Erwachsenenalter zu psychischen Störungen führen. 1900 erscheint „Die Traumdeutung“, eines der wichtigsten Werke von Sigmund Freud. Er beschrieb darin, dass der Antrieb menschlichen Verhaltens den unterbewussten sexuellen Fantasien entspringe, die den gesellschaftlichen Normen gegenüberstehen. Die Träume eines Menschen sind verschlüsselte Hinweise auf den Konflikt zwischen menschlichen Wünschen und Verboten.

Weitere Produkte seiner Arbeit sind:

  • emotionale Traumata,
  • mentale Konflikte,
  • Abwehrmechanismen und
  • dunkle Triade.

Insgesamt schuf Freud einen revolutionären Ansatz, um den Geist und die Persönlichkeit eines Menschen zu studieren.

Wilhelm Wundt (1832 bis 1920)

Der deutsche Psychologe war auch Physiologe und Philosoph. Er hat 1879 in Leipzig das erste Labor für experimentelle Psychologie aufgebaut.

Sein Laboratorium hat einen Meilenstein erschaffen: mit ihm begann die neue Periode der wissenschaftlichen Psychologie. Wundt gilt als Vorreiter des Strukturalismus. Der deutsche Psychologe machte es sich zum Ziel, Philosophie und Psychologie in den Hintergrund zu rücken, weil er die Ansicht vertrat, messbare Variablen und die Struktur des Geistes zu erforschen. Für ihn galt die messbare Wissenschaft im Vordergrund.

Er schuf Möglichkeiten, um mentale Prozesse bewerten zu können und Empfindungen, Ideen, Aufmerksamkeit und Emotionen zu untersuchen. Zudem führte der deutsche Psychologe umfassende experimentelle Studien zu Wahrnehmung, Gefühl und Apperzeption durch. Insgesamt verfasste er über 500 wissenschaftliche Arbeiten, unter denen die „Organisation und Systematisierung der Psychologie“ als die Bedeutendste gilt. Außerdem bildete er eine ganze Generation von psychologischen Wissenschaftlern aus und leistete damit einen maßgeblichen Beitrag in der Psychologie.

Fritz Perls (1893 bis 1970)

Der deutsche Psychologe und Psychotherapeut war gemeinsam mit Laura Perls und Paul Goodman der Mitbegründer der Gestalttherapie. Dabei handelt es sich um eine Form der Psychotherapie, die ein phänomenologisches, erfahrungs- und erlebensorientiertes psychotherapeutisches Verfahren beinhaltet. Ziel ist, die Stimmigkeit und Integration psychischer Prozesse sowie die differenzierende Reifung der Persönlichkeit nach innen und außen zu erhalten.

Die Therapieform zählt zur humanistischen Psychologie und ist hermeneutisch und phänomenologisch ausgerichtet, beziehungsweise wird als erlebnisaktivierende Psychotherapie bezeichnet. Entwickelt hat sie der deutsche Psychologe aus der Kritik und Abgrenzung zur Psychoanalyse. Im Kern geht es bei der gestalttherapeutischen Methode um die Entwicklung und Verfeinerung der Bewusstheit, aller gerade vorhandenen und zugänglichen Gefühle, Gedanken, Empfindungen und Verhaltensweisen.

Ziel ist es, dem Bewusstsein automatisierte und unbewusste Verhaltensmuster zugänglich zu machen. So rücken sie beim Klienten in den Bereich der Entscheidungsmöglichkeit. Es geht also nicht darum, sich vom Unterbewusstsein steuern zu lassen, sondern seine Entscheidungen frei und bewusst treffen zu können. Dadurch wird nicht nur an einer konkreten Situation gearbeitet, sondern auch die Beziehung zu sich selbst und seiner Umwelt. So können bestehende psychische Störungen gelöst werden. Der deutsche Psychologe legte Wert darauf, dass die Therapie nur unter absoluter Transparenz zwischen Arzt und Patient stattfand.

Erik H. Erikson (1902 bis 1994)

Der deutsche Psychologe gilt als Vertreter der psychoanalytischen Ich-Psychologie. Heute gilt er als ein sogenannter Neofreudianer. Seine bedeutendste Theorie ist das von ihm entwickelte Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung. Dieses veröffentlichte er im Jahr 1959. Es gilt als eine Weiterentwicklung des freudschen Modells psychosexueller Entwicklung. Sein Modell untergliedert das Leben eines Menschen in acht Phasen. Jede von ihnen beinhaltet einen Konflikt, der gelöst werden muss. Gelingt das nicht, kommt es zu einer psychischen Krise und der Entwicklungsweg ist gestört. Das Schlüsselkonzept ist dabei die Ich-Identität, welche meist im jungen Erwachsenenalter stagniert. Der deutsche Psychologe charakterisierte in seinem Phasenmodell folgende Polaritäten:

  • Urvertrauen vs. Urmisstrauen
  • Autonomie vs. Scham/Zweifel
  • Initiative vs. Schuldgefühl
  • Leistung vs. Minderwertigkeitsgefühl
  • Identität vs. Identitätsdiffusion
  • Intimität vs. Isolation
  • Generativität vs. Stagnation
  • Ich-Integrität vs. Verzweiflung

Der deutsche Psychologe nahm an, dass alle Phasen altersspezifisch aufeinander aufbauen und universell sind. Die Lösung des Konflikts bezeichnete er als Entwicklungsaufgabe. Doch er beschäftige sich nicht nur mit der Kinder- und Entwicklungspsychologie, sondern auch mit Ethnologie. Er prägte zum Beispiel den Begriff „Pseudospeciation“. Dieser beinhaltet die Bildung verschiedener Stämme durch die Urmenschen. Diese verhielten sich untereinander wie getrennte Arten und konkurrierten miteinander.

Karen Horney (1885 bis 1952)

Die deutsch-amerikanische Psychoanalytikerin gilt als die Vertreterin der Neopsychoanalyse. Sie beschrieb erstmals die Entstehung von Neurosen aufgrund soziologischer Faktoren. Damit machte sie die gesellschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten als Ausbreitung der Neurosen verantwortlich.

Außerdem nimmt sie sich verschiedene Theorien von Sigmund Freud mit wissenschaftlicher Gründlichkeit vor und wies ihm einige Fehler nach. Vor allem sein Verständnis von Neurosen versuchte sie mit einfacheren und plausibleren Ansätzen deutlich zu machen. So hat Horney einige Anzeichen für Neurosen definiert. Das sind zum Beispiel vom Durchschnitt der Gesellschaft abweichende Verhaltensweisen, eine extreme Ausprägung an Ängsten oder die Verfolgung von widersprüchlichen Absichten. Drei ihrer bedeutsamsten (Spät)-Werke sind:

  • „Self-Analysis“,
  • „Our Inner Conflicts“ und
  • „Neurosis and Human Growth“.

Carl Gustav Jung (1875 – 1961)

C. G. Jung, war ein Schweizer Psychiater und der Begründer der analytischen Psychologie. C. G. Jungs Thesen setzten sich stark mit Freud auseinander, zuerst Verfechter der Freudschen Bewegung dann, nachdem Freud ihn stark kritisierte, weil Jung die Thesen Freuds erweiterte, der Bruch. C. G. Jung ist Begründer der Archetypen.

Erich Fromm – zehn Zitate

Erich Fromm (1900 – 1980)

Erich Fromm war ein bedeutender Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe. Bereits seit Ende der 1920er Jahre vertrat er einen humanistischen, demokratischen Sozialismus. Erich Fromms Thesen zur Psychoanalyse, zur Religionspsychologie und zur Gesellschaftskritik haben ihn als einflussreichen Denker des 20. Jahrhunderts gemacht. Viele Erich Fromm Bücher wurden zu Bestsellern, insbesondere Die Kunst des Liebens.

Quellen:

  • Berk, E. L.: Entwicklungspsychologie. München: Pearson, 2011.
  • Gerrig R.J. & Zimbardo, P. G.: Psychologie. 21. Auflage. Hallbergmoos: Pearson Studium, 2018.