Wie erkennt man eine abhängige Persönlichkeitsstörung?

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Die abhängige Persönlichkeitsstörung – Angst vor dem Alleinsein

Zu den auffälligsten Symptomen einer abhängigen Persönlichkeitsstörung gehört vor allem ein seit langem bestehendes Bedürfnis, ein unwiderstehlicher Drang, sich von einer anderen Person umsorgen zu lassen.

Zugleich manifestieren sich tief sitzende Angstzustände. Die Furcht davor, von wichtigen Personen im eigenen Leben verlassen oder getrennt zu werden, kann panikähnliche Attacken auslösen.

 Persönlichkeitsstörung

Die abhängige Persönlichkeitsstörung – Abhängigkeit bis zur Selbstaufgabe

Damit Betroffene eine helfende Bezugsperson finden und von dieser nicht verlassen werden, wird die eigene Persönlichkeit zurückgestellt.

Dies führt dazu, dass die Person sich in ein abhängiges und unterwürfiges Verhalten begibt, das darauf ausgerichtet ist, bei anderen ein Pflegeverhalten auszulösen.

Im Extremfall verursacht die abhängige Persönlichkeitsstörung ein extremes Klammerverhalten und die nahezu vollständige Aufgabe der eigenen Persönlichkeit. Zu groß ist die Angst, das das eigene Leben nicht ohne fremde Hilfe gemeistert werden kann. Ohne den Zuspruch und die Unterstützung einer oder mehrerer Bezugspersonen können diese Patienten im Alltag nicht funktionieren.

 

Äußere Anzeichen der Abhängigkeit

Individuen mit einer abhängigen Persönlichkeitsstörung sind oft durch Pessimismus und Selbstzweifel gekennzeichnet, was von Laien gerne mit Depressionen verwechselt wird.

Sie neigen dazu, ihre Fähigkeiten zu schmälern, sich selbst herabzusetzen und bezeichnen sich selbst ständig als „dumm“ oder „unnütz“.

Sie nehmen jede Form von Kritik und Missbilligung als Beweis ihrer Wertlosigkeit und verlieren das Vertrauen in sich selbst, bis zur Selbstaufgabe. Zudem neigen sie dazu, selbst einen positiven Kommentar ins Negative zu verdrehen, um sich selbst zu beweisen, wie wertlos sie sind.

Gezielt werden dominante Mitmenschen als Bezugsperson gesucht. Bei manchen Patienten äußert sich dieses pathologische Verhalten auf rein sexueller Ebene.

Hier führt die abhängige Persönlichkeitsstörung zum Rollenspiel zwischen Sklave und Domina – gelegentlich auch zur Kombination von Sadisten und Masochisten.

In der Folge dieser Persönlichkeitsstörung können regelmäßige Aktivitäten des täglichen Lebens beeinträchtigt werden.

Diese Menschen vermeiden im Allgemeinen verantwortungsvolle Positionen und müssen sie eine Entscheidungen treffen, wirken sie sichtbar unruhig und verunsichert. Soziale Beziehungen sind tendenziell auf die wenigen Menschen beschränkt, von denen der Einzelne abhängig ist. Bei manchen Betroffen ist der Drang es jedem Mitmenschen recht machen zu wollen so ausgeprägt, dass Konflikte innerhalb des Umfeldes vorprogrammiert sind.

Ursachen für die abhängige Persönlichkeitsstörung

Die Krankheit wird fast immer im Erwachsenenalter diagnostiziert. Besonders Anfällig sind Personen, die als Kind oder Jugendlicher unter einer chronischen körperlichen Erkrankung zu leiden hatten. Aber auch solche, bei denen Angststörung festgestellt wurden; überproportional häufig bei Scheidungskindern.

Da die abhängige Persönlichkeitsstörung ein langjähriges und dauerhaftes Verhaltensmuster beschreibt, wird sie meist im Erwachsenenalter diagnostiziert.

Es ist ungewöhnlich, dass sie im Kindes- oder Jugendalter diagnostiziert werden, weil ein Kind oder ein Teenager sich in einem ständigen Entwicklungsprozess befindet.

Zu dem gehören Persönlichkeitsveränderungen, Reifung und die Manifestierung des Charakters. Wird die psychische Erkrankung bei einem Kind oder Teenager diagnostiziert, müssen die eindeutigen Symptome seit mindestens einem Jahr permanent vorhanden sein. Betroffen sind etwa 0,5% der Bevölkerung.

Wie die meisten Persönlichkeitsstörungen, verliert die abhängige Persönlichkeitsstörung in der Regel mit zunehmendem Alter an Intensität.

Die meisten Betroffenen erleben die extremsten Symptome zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr. Häufig werden Patienten nach dem 60. oder 65. Lebensjahr von ihrer Umwelt als „normal“ wahrgenommen.

Eine abhängige Persönlichkeitsstörung ist ein dauerhaftes Muster inneren Erlebens und Verhaltens, das deutlich von der Norm abweicht.

Dieses Muster kann mehrschichtig sein, ist unflexibel und durchdringt eine breite Palette von persönlichen und sozialen Situationen. Dies führt typischerweise zu erheblichen Belastungen oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen Bereichen des täglichen Funktionierens. Das Muster ist stabil und von langer Dauer, und sein Beginn kann bis zum frühen Erwachsenenalter oder bis zur Adoleszenz zurückverfolgt werden.

Symptome der abhängigen Persönlichkeitsstörung

Die abhängige Persönlichkeitsstörung zeichnet sich durch eine alles durchdringende Angst aus, die zu einem „klammernden Verhalten“ führt und sich normalerweise bis zum frühen Erwachsenenalter manifestiert.

Es fällt dem Patienten zusehend schwerer, alltägliche Entscheidungen zu treffen, ohne von anderen übermäßig beraten und beruhigt zu werden.

Die Betroffenen machen Sie von anderen abhängig, die für sie die Verantwortung für die meisten wichtigen Bereiche des Lebens übernehmen. Selbst Minimalentscheidungen, wie Honig oder Marmelade zum Frühstück, werden an diese Bezugsperson abgeschoben.

Die Betroffenen sind konfliktunfähig. Sie können sich bei Meinungsverschiedenheiten nicht behaupten, denn sie stecken immer zurück. Grund ist, sie befürchten, dass sie ihre Unterstützung oder Zustimmung verlieren könnten.

Gravierend sind auch ihre Schwierigkeiten bei der Initiierung von Projekten oder bei der Durchführung von Aufgaben. Das mangelnde Selbstvertrauen in das eigene Urteilsvermögen oder die eigenen Fähigkeiten kombiniert sich gerne mit einer mangelnden Motivation und fehlender Energie.

Deshalb gehen diese Menschen über alle gesellschaftlichen Grenzen hinaus, um Unterstützung zu erhalten. Dabei wirken sie so hilflos, dass bei den angesprochenen Personen Mitleid und Hilfsbereitschaft überstrapaziert werden. Das kann so weit gehen, dass diese Bezugspersonen häufig genötigt sind Dinge zu tun, die unangenehm sind.

Die Betroffenen fühlen sich ständig unbehaglich oder hilflos. Sind sie allein, können sie von Panikattacken heimgesucht werden. Die Angst, nicht für sich selbst sorgen zu können, steht im Vordergrund. Endet die Beziehung zu einer Bezugsperson, kann dies eine tiefe Persönlichkeitskrise auslösen. Der Patient wird in der Regel sofort versuchen, Ersatz zu finden. Dazu ist ihm jedes Mittel recht, weshalb nachfolgende Beziehungen meist unterwürfiger als zuvor sind.

Wie wird diese psychische Erkrankung diagnostiziert?

Die abhängige Persönlichkeitsstörung erfordert zur Diagnose einen Psychiater oder Psychologen. Hausärzte und Allgemeinärzte sind im Allgemeinen nicht intensiv genug ausgebildet, um diese Art von psychologischer Diagnose stellen zu können. Es gibt keine Labor-, Blut- oder Gentests, die zur Diagnose einer abhängigen Persönlichkeitsstörung verwendet werden können.

Problem dabei ist, dass ein Patient mit einer abhängigen Persönlichkeitsstörung fast nie eine Behandlung in Betracht zieht. Erst wenn das eigene Leben oder das einer wichtigen Bezugsperson erheblich gestört ist, kann eine Einsicht einsetzten, die eine Behandlung ermöglicht.

Dies geschieht häufig erst dann, wenn die Ressourcen zur Bewältigung von Stress aufgebraucht sind und körperliche Beschwerden einsetzen. Diese Patienten haben durch die abhängige Persönlichkeitsstörung alle körperlichen Reserven aufgebraucht, wirken überarbeitet, energielos und haben nicht selten mit Schwächeanfällen zu kämpfen.

Von Apollo O. Bruckner