Co-Abhängigkeit
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Was ist eine Co-Abhängigkeit?

Dem anderen ständig recht geben, ihn bloß nicht verärgern und die eigenen Bedürfnisse hintenanstellen: Eine Co-Abhängigkeit in der Beziehung hat viele Gesichter. Auch wenn sie aus Angst um den Partner entsteht, tut sie weder ihm noch dir gut.

Sie löst das Problem nicht, sondern füttert es, indem sie die schädliche Beziehungsdynamik aufrechterhält. Die Folge: Aufopferung nach außen und stilles Leid im inneren.

Fakten Übersicht zu einer Co-Abhängigkeit:

  1. Eine Co-Abhängigkeit geht häufig mit einer Suchterkrankung einher, aber auch andere psychische und physische Probleme können Ursachen sein.
  2. Der co-abhängige Partner lebt mit der Angst, dem Partner zu schaden, wenn er sich von seinen Problemen distanziert.
  3. Eine Beziehung, die auf einem Abhängigkeitsverhältnis basiert, besteht nicht aus Liebe, sondern aus Pflichtgefühl und Aufopferung.
  4. Der co-abhängige Partner leidet nicht nur unter der Beziehungssituation, sondern verstärkt durch sein Handeln auch die Probleme des anderen.
  5. Hilfsbereitschaft ist eine normale menschliche Charaktereigenschaft. Artet diese jedoch zu weit aus und ist der Betroffene in der Krankheit des Partners gefangen, liegt dem eine Co-Abhängigkeit zugrunde.

Was bedeutet Co-Abhängigkeit in der Beziehung?

Bekannt ist der Begriff Co-Abhängigkeit aus dem Suchtkontext. Leidet ein Mensch an einer Suchterkrankung, hat das Auswirkungen auf sein unmittelbares Umfeld. Je näher die Beziehung ist, desto belastender empfinden Partner und Angehörige die Sucht.

Wird das Leben des Nichtsüchtigen in einem ungesunden Maß von der Sucht des Mitmenschen gesteuert, ist von einer Co-Abhängigkeit die Rede. Ist dein Partner beispielsweise alkoholsüchtig, wird nicht nur sein, sondern auch dein Alltag von der Krankheit gesteuert. Obwohl du nicht süchtig bist, bekommst du die Konsequenzen der Sucht zu spüren. Aber nicht nur Suchterkrankungen bringen die Gefahr einer Co-Abhängigkeit mit sich.

Auch psychische Störungen, emotionale Abhängigkeit oder physische Erkrankungen können die Ursache sein. Für eine Beziehung und das eigene Leben stellt die Co-Abhängigkeit oftmals eine extrem große Belastung dar. Nicht selten versuchen Betroffene die Sucht des Partners zu verstecken.

Damit gehen sie automatisch in eine soziale Isolation über. Verständlicherweise ist ihnen ihre Lebenssituation unangenehm und so kapseln sie sich immer ab. Jegliche Auftritte als Paar werden gemieden und Ausreden erfunden, um sich nicht mit Freunden und Bekannten verabreden zu müssen. Zudem fallen Partner und Angehörige oftmals in eine Art Versorgerrolle und fühlen sich verpflichtet, den Alltag für beide zu stemmen. Dabei wird das eigene Leben erheblich in Mitleidenschaft gezogen.

Für eigene Unternehmungen, Pläne und Sorgen ist dann kaum noch Zeit. Die emotionale, organisatorische und meist auch körperliche Last, ist hier extrem hoch. Das führt häufig dazu, dass der Co-Abhängige psychisch an seine Grenzen kommt.

Wie kommt eine Co-Abhängigkeit in der Beziehung zustande?

Wie gefährdet jemand ist, in eine Co-Abhängigkeit zu geraten, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Die kindliche Prägung spielt hierbei eine bedeutende Rolle. Circa 60 Prozent der Frauen, die in einer co-abhängigen Beziehung leben, sind mit Eltern aufgewachsen, die dieses Beziehungsmuster ebenfalls lebten oder noch leben. Hier spricht man weniger von einer genetischen Disposition, als vielmehr von einer Rollenübernahme der Eltern.

Die Art und Weise, wie unsere Eltern ihre Partnerschaft leben, hat auch einen Einfluss auf unsere späteren Beziehungen. Neben dem steigt die Anfälligkeit mit jeder co-abhängigen Beziehung, die man erlebt hat. Auch wenn die Verzweiflung enorm groß war, vergrößert sich das Risiko, wieder in dieses Muster zu verfallen. Die Grenzen zwischen einer normalen und ungesunden Abhängigkeit in der Beziehung werden von Betroffenen oftmals als fließend wahrgenommen.

Ein geringes Selbstwertgefühl ist ebenfalls ein wichtiger Indikator für eine Co-Abhängigkeit in der Beziehung. Hier schwingt häufig die Angst mit, dass man dem Partner schadet, wenn man sich um seine eigenen Bedürfnisse kümmert. Es macht sich nicht nur Überforderung mit der ganzen Suchtproblematik breit, sondern auch Schuldgefühle und Angst, den anderen zu verlieren. Das treibt Menschen dazu an, ihr eigenes Leben nur noch nach der Krankheit beziehungsweise den Problemen ihres Partners auszurichten.

Vier Schritte, um aus einer Co-Abhängigkeit in der Beziehung herauszukommen
Eine co-abhängige Beziehung kann auf Dauer nicht funktionieren. Am Anfang ist es vielleicht nur eine Art Helfersyndrom, doch die permanente Selbstaufgabe kann dazu führen, dass sich Aggressionen gegenüber dem Partner entwickeln. Die folgenden vier Schritte zeigen dir den Weg heraus aus einer Co-Abhängigkeit.

1. Selbstbeobachtung und Sortieren der eigenen Bedürfnisse

Erst einmal musst du die Co-Abhängigkeit, in welche du geraten bist, anerkennen. Auch wenn dieser Schritt vollkommen logisch erscheint, so ist er doch nicht weniger herausfordernd. Versuche dir über die Beziehung, die du gerade führst, klar zu werden. Was muss sich ändern? Bist du noch glücklich? Inwieweit liegen die Fehler beim Partner und wo hast du dazu beitragen, dass die Beziehung aus dem Ruder gelaufen ist?

Gibt dir diese Beziehung noch Raum für deine eigenen Bedürfnisse? In einer co-abhängigen Beziehung ist es oftmals so, dass sich einer der Partner vollkommen in der Partnerschaft verliert. Statt zu dem anderen auf Distanz zu gehen, verlässt er sich Stück für Stück selbst. Die Selbstaufgabe passiert mitsamt den eigenen Bedürfnissen, Zielen, Wünschen und Grenzen. Ein ziemlich klares Indiz für eine Co-Abhängigkeit ist, wenn du vor der Beziehung ein sehr gutes Verständnis davon hattest, was gut für dich ist. Reflektierst du dich hingegen heute und stellst fest, dass du dich am Rand der Selbstkapitulation befindest, liegt es nahe, dass du in einer destruktiven Beziehung lebst.

„Liebesbeziehungen basieren auf Augenhöhe und bedingungsloser Zuneigung. Einer Partnerschaft, die aus Pflichtgefühl besteht und in welcher sich einer von beiden aufgibt, liegt nicht Liebe, sondern Abhängigkeit zugrunde.“

2. Den Partner als erwachsenen und eigenständigen Menschen anerkennen

Anders als eine Eltern-Kind-Beziehung darf eine Partnerschaft nicht durch Abhängigkeit funktionieren. Trennt sich das gemeinsame Leben, muss trotzdem jeder für sich selbst sorgen können. Liebe sollte immer frei sein: So freiwillig, wie eine Liebesbeziehung entsteht, so sollte sie aus eigenem Antrieb auch beendet werden können. Letzteres stellt für Paare, die sich in einer co-abhängigen Beziehung befinden ein großes Problem dar.

Der eine Partner bindet den anderen, nicht selten auch mit manipulativen Verhaltensweisen, immer mehr an sich. Der co-abhängige Partner lebt mit der Angst, dass der Partner es aufgrund seiner psychischen oder physischen Labilität nicht verkraftet, wenn er sich wieder mehr auf sich fokussiert. Befindest du dich in dieser Situation, solltest du dir unbedingt klar machen, dass jeder erwachsene Mensch für sein Leben selbst verantwortlich.

Es ist nicht deine Aufgabe, dich für andere so aufzuopfern, dass du dabei selbst auf der Strecke bleibst. Das hat nichts mehr mit einer gesunden Partnerschaft zu tun. Du schadest damit nicht nur dir, sondern auch deinem Partner, denn du nimmst ihm damit jegliche Möglichkeit, seine Probleme selbst in die Hand zu nehmen.

3. Professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

Viele Paare benötigen auf ihrem Weg aus der Co-Abhängigkeit therapeutische Hilfe. Oftmals ist die Situation so verfahren und die emotionale Belastung auf beiden Seiten so hoch, dass eine Therapie der einzige Ausweg ist. Häufig ist es so, dass der co-abhängige Partner bereits die Rolle des Therapeuten eingenommen hat, indem er sich für das Wohlergehen und die Gesundheit seines Partners verantwortlich fühlt. Diese Aufgabe solltest du schnellstmöglich von dir weisen, denn du bist weder der Arzt noch der Psychotherapeut deines Partners. Ist seine Bedürftigkeit so groß, dass er sein Leben alleine nicht mehr stemmen kann, gibt es dafür Fachleute, die sich diesem Problem annehmen werden. Bevor eine eventuell fortbestehende Partnerschaft in einer Paartherapie aufgearbeitet wird, sollte jeder erst mal an sich selbst in einer Einzeltherapie arbeiten.

Das heißt:

  • Selbstliebe stärken,
  • Abgrenzung lernen,
  • sich vom Verantwortungsgefühl distanzieren,
  • das eigene Leben wieder als vorrangig betrachten und
  • den Ursachen des Abhängigkeitsverhältnisses auf die Spur gehen.

Am Ende steht dann die Entscheidung für oder gegen die Beziehung.

4. Selbstbewusstsein stärken

Egal ob du die Beziehung beenden oder ihr noch eine Chance geben möchtest, im letzten Schritt musst du dich vor einem erneuten Abhängigkeitsverhältnis schützen. Das erreichst du am besten, indem du an deinem Selbstbewusstsein arbeitest. Fühlst du dich wertvoll und bist dir selbst wichtig, wird es dir auch leichter fallen, in einer Beziehung selbstbestimmt und eigenbedürfnisorientiert zu agieren.

Versuche deinen Selbstwert nicht an die Beziehung zu knüpfen, sondern ihn aus dir selbst heraus zu schöpfen. Läufst du Gefahr, dich wieder in einer Partnerschaft zu verlieren, dann programmiere diese Einstellung mental und emotional um. Statt dich ausschließlich an die Bedürfnisse deines Partners zu hängen, lausche deiner inneren Stimme und bringe deine eigenen Empfindungen in die Beziehung ein. Das ist nicht leicht und bedarf etwas Übung, aber so erstickst du eine aufkommende Co-Abhängigkeit bereits im Keim.

Fazit

Hast du einmal die Kontrolle über das eigene Leben verloren, ist es schwer, diese zurück zu erlagen. Die Erkenntnis, dass du dich in einer co-abhängigen Beziehung befindest, ist der erste wichtige Schritt. Von da an solltest du nur noch nach vorne schauen. Der Blick zurück und Selbstvorwürfe bringen dich nicht weiter.

Wichtig ist es, dass du mit diesem Problem nicht alleine bleibst und dir rechtzeitig Unterstützung suchst. Führe dir immer wieder vor Augen, dass du deinem Partner nicht hilfst, wenn du dein eigenes Leben aufgibst. Auch wenn er das im Moment vielleicht von dir verlangt.

 

Quellen:

  • Ärzte Zeitung, Springer Medizin: Co-Abhängigkeit. Die verkannte Krankheit. Verfügbar unter: https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/special-arzt-patient/article/659878/co-abhaengigkeit-verkannte-krankheit.html . Stand: 01.10.2018.
  • Flassbeck, Jens: Co-Abhängigkeit: Diagnose, Ursachen und Therapie für Angehörige von Suchtkranken. Stuttgart: Klett-Cotta, 2 Auflage, 2016.
  • Schaef, Anne Wilson: Co-Abhängigkeit: Die Sucht hinter der Sucht. München: Heyne Verlag, 4 Auflage, 2002.
  • Siegmund, Linda: Co-Abhängigkeit. Wie Sie diese erkennen und davon frei werden können. CreateSpace Independent Publishing Platform, 2016.