Jeder Mensch hat seine Dunkle Seite –  Wie groß und schwarz ist der Schatten deiner dunklen Seite?

Bist du gelegentlich rücksichtslos – oder kommt das sogar öfter vor? Psychologen glauben, dass deine dunkle Seite dir dabei helfen kann, im Leben erfolgreicher zu sein. Das ist auch so lange vollkommen normal, solange du die Kontrolle über diese weniger sozialen Verhaltensweisen behälst.

Deine Dunkle Seite

  • Die „dunkle Triade“ der Persönlichkeit besteht aus dem Machiavellismus, dem Narzissmus und der Psychopathie.
  • Gelegentliche Gewaltphantasien sind vollkommen normal und sogar gesund, denn durch sie erholen sich unser Gehirn und die Seele vom permanenten prosozialen Verhalten.
  • Jeder trägt Dämonen in sich, die ein gesunder Geist aber zu kontrollieren versteht.
  • Gewinnen die Dämonen, verliert dein Gehirn und deine Seele verkümmert, was dringend einer psychologischen Behandlung bedarf.
  • Verdamme deine dunkle Seite nicht, denn wenn du sie geschickt nutzt, gehst du entspannter und erfolgreicher durchs Leben.

Deine dunkle Seite der Seele

Begrüße deine Dämonen

Wenn wir davon sprechen, eine „dunkle Seite“ zu haben, weisen wir im Allgemeinen auf unsere aggressivsten oder lüsternen, antisozialen Instinkte hin.

Oder auf die niederträchtigen, blutrünstigen Impulsgefühle, die tief in uns lauern. Diese könnten zweifellos das Leben anderer zerstören – wenn nicht sogar beenden.

Vergewaltigen, Verstümmelung, Mord, skrupellose Diebstähle, bewaffnete Raubüberfälle, Verrat, Sadismus, Masochismus, Gier und sogar Inzest gehören zu den Fantasien, die unser Gehirn unaufgefordert und scheinbar uninspiriert produziert.

Deine dunkelsten Tagträume sind aber nicht so dämonisch, wie du glaubst. Und selbst Menschen, die als überaus mitfühlend, hilfsbereit, aufopfernd und herzlich gelten, erleben im Kopf Ruchlosigkeit, brutalste Gewalt und primitive Emotionen sexueller Natur. Diese Fantasien und Albträume braucht unser Gehirn, um Realitäten einschätzen zu können, um sich in der Welt zurechtzufinden. Nur so kann unsere Schaltzentrale verhindern, dass wir uns asozial verhalten, zu Mördern, Triebtätern oder Verbrechern übelster Sorte werden.

Und – diese Fantasien stärken das eigene Selbstbewusstsein. Sie helfen deinem Geist dabei, im Leben deinen persönlichen Weg zu finden.

Dass dabei manchmal Freundschaften auf der Strecke bleiben, Mitmenschen auf emotionaler Basis verletzt werden, von dir enttäuscht sind, das ist schlicht Teil des Lebens. Es ist nämlich nicht möglich, es allen Menschen recht zu machen, ohne dabei selbst unterzugehen.

Bereits Freud erkannte die dunkle Seite unserer Seele

Freud hat in seinem 1929 erschienen Klassiker „Zivilisation und seine Unzufriedenheit“ postuliert, dass in einer zivilisierten Gesellschaft Institutionen wie die Polizei oder Gerichte notwendig sind, um uns vor unserem persönlichen Chaos, vor unserer amoralischen Identität zu bewahren.

Und um uns vor Mitmenschen zu schützen, die ihre dunkle Seite nicht unter Kontrolle haben. Für Freud gipfelt dieser notwendige Schutz in unserer naturgegebenen „Unzufriedenheit“, wie er es nannte.

Seiner Ansicht nach müssen wir unsere Lust suchenden Triebe unterwerfen, müssen wir unsere ungestümen Wünsche überwinden, was die Seele unzufrieden macht. Aber nur so können wir harmonisch mit anderen leben.

Deine Fantasien aus dem Schattenreich der Seele

Gewaltfantasien, Tagträume sexueller Art oder Anfälle von Neid, Gier und Selbstsucht treten plötzlich auf und sind häufig scheinbar unmotiviert. Angesichts dieser „natürlichen“ inneren Zwänge solltest du dich fragen, ob deine dunkle Seite wirklich so dunkel ist.

Bist du dir darüber bewusst, welche Fantasien von Macht, Rache, Eroberung oder rücksichtslosem Ausdruck von Libido in dir schlummern, kontrollierst du diese. Erlaube dir, solche Träume zu haben, denn sie dienen dir als eine Art kompensatorischer Befriedigung. Du lernst zudem, dich selbst einzuschätzen. Aus einer sicheren Entfernung zur Realität kannst du dir vorzustellen, was du nicht wirklich tun willst.

Insofern ist deine dunkle Seite fast „unschuldig“ zu nennen. Die Erlaubnis in Tagträume abzutauchen, stellt ein maßvolles Ausleben von tief verwurzelten Gefühlen dar. Und es bietet dir eine Flucht vor dem prosozialen Verhalten, an dem jedes Lebewesen innerhalb einer sozialen Gemeinschaft teilnehmen muss.

Nur so können wir sozialen Bindungen sichern. Und obwohl wir in uns eine dämonenhafte Konkurrenz haben, legen wir zugleich großen Wert auf zwischenmenschliche Beziehungen. Wir überwachen also freiwillig unsere Impulse und sorgen dafür, dass sie in Schach gehalten werden. Und als eine Verschnaufpause von all unserer Selbstdisziplin und Duldsamkeit, erlauben wir es uns, in regelmäßigen Abständen eine furchterregende Welt zu schaffen. In der werden unsere Wünsche – wie ungeheuerlich oder antisozial sie auch sein mögen – für einen Augenblick zur Realität.

Wovon lebt deine dunkle Seite?

Deine dunkle Seite versteht keine guten Absichten, Kompromisse oder das, was sie tun soll. Sie bleibt unterdrückt, aber sie wächst und sie sucht nach einem Weg herauszukommen.

Und von Zeit zu Zeit solltest du sie kontrolliert entkommen lassen, denn du brauchst sie. Nur so kannst du dich selbst verstehen und erkennen und dich besser selbst einschätzen.

Die dunkle Seite deines Verstandes ernährt sich von Elend und Selbstzerstörung. Eigentlich von allem was du dir versagst und von all deinen Wünschen, die es nicht schaffen, Gestalt anzunehmen. Diese unbefriedigten Bedürfnisse erzeugen negative Emotionen, die deiner dunklen Seite als Nahrung dienen.

Wenn du es nicht schaffst, diesen Bedürfnissen ein Ventil zu geben, können die Folgen fatal sein. Der Druck kann derart anwachsen, dass du deine dunkle Seite, deine schlimmsten Fantasien nicht mehr kontrollieren kannst. Dann kann eine Kleinigkeit ausreichen, um den Kessel explodieren zu lassen. Psychologen vermuten, dass so Affekthandlungen, Wutausbrüche, Tobsuchtsanfälle und spontane Straftaten ausgelöst oder zumindest begünstigt werden.

Wie setzt du deine dunkle Seite auf eine gesunde Diät?

Um aufzuhören, deine dunkle Seite übermäßig zu füttern, musst du wissen, was du am meisten magst. Deine Dämonen ernähren sich von negativen psychologischen Bindungen. Von jenen Gefühlen, die dich mit aller Macht an einen früheren Zustand klammern, der dir Angst bereitet. Genau diese negativen Eigensinne hindern dich daran, dich sicher und stark zu fühlen. Und sie drücken sich durch Ablehnung, Demütigung, Verrat und Gefühle von Nutzlosigkeit und Versagen aus.

All diese Negativität füttert den dunkelsten Teil deiner Psyche und das bemerkt auch dein Umfeld. Es gibt Menschen, die sind von Natur aus freundlich, sympathisch, liebenswert. Und es gibt solche, die werden von anderen gemieden, weil sie unausstehlich, furchteinflößend oder abstoßen sind.

Wie kontrollierst du deine dunklen Wünsche und Emotionen?

Die Lösung, sich der dunklen Seite deines Verstandes zu stellen, besteht darin, es bewusst zu trainieren. Es gibt Dinge, Situationen, Erlebnisse, die außerhalb deiner Kontrolle liegen. Aber auch solche, die du bewusst steuern kannst.

Die größte Herausforderung besteht darin, sich in den eigenen Geist zu vertiefen und all das zu erhellen, was darin verborgen ist. Denn deine dunkle Seite verbirgt viel mehr, als unerfüllte Wünsche, frustrierte Sehnsüchte oder zerbrochene Träume. Nur du selbst kannst darin eintauchen und dies erforschen.

Gestatte deiner Seele gelegentlich die Dämonen freizulassen. Erlaube dir einen dunklen Traum; unterdrücke ihn nicht. Das ist dein Ventil, die Seele belastende Erfahrungen zu verarbeiten. Konzentriere dich während der Tagträume auf deren ungeheure Energie und mache dir diese im täglichen Leben zugänglich. Das macht dich selbstbewusster und realistischer aber auch ausgeglichener und zielstrebiger.

Lesetipp:
Die Zeit, Psychologie : „Jeder Mensch hat in sich seine Abgründe“