Ekpathie – Das Gegenteil von Empathie

gefühlskalt
gefühlskalt Copyright: canjoena bigstockphoto

Was ist Ekpathie

Der Begriff „Ekpathie“ ist eine relativ neue Wortschöpfung, daher sind viele Leute im Bezug auf ihre Deutung unsicher. Streng genommen könnte das Wort das Gegenteil von Empathie bedeuten, doch es steckt mehr dahinter. Ein Blick auf die Definition und tiefere Bedeutung der Begrifflichkeit macht somit Sinn. Wenn du mehr über die Bezeichnung wissen möchtest, solltest du hier weiterlesen.

Trotz Traurigkeit kann ich nicht weinen?
Trotz Traurigkeit kann ich nicht weinen? Copyright: Sam Wordley, bigstockphoto

Jeder hat den Begriff Empathie bereits gehört, und weiß mit ihm umzugehen. Empathische Menschen gehen auf ihr Gegenüber ein, können deren Emotionen erfassen und angemessen darauf reagieren.

So zeigen sie beispielsweise Mitgefühl, wenn es einem Mitmenschen schlecht geht. Der Psychiater Dr. Luis de Rivera legt für den Begriff Ekpathie einige typische Merkmale an Menschen fest. So grenzen Betroffene freiwillig und bewusst Gefühle, Einstellungen, Gedanken und Motivationen aus. Doch ist dies als positiver Wesenszug zu werten? In jedem Fall schützt es den Menschen vor

  •  einer ihn überkommenden Flut von Emotionen, wie beispielsweise Trauer.
  •  der Gefahr, sich von negativen Gefühlen Anderer anstecken zu lassen.
  •  Manipulation

Kann Beides getrennt voneinander betrachten?

So einfach ist es sicher nicht. Denn als Ergänzung der Empathie gesehen, sind ekpathische Fähigkeiten absolut sinnvoll und notwendig. Empathische Menschen verstricken sich, streng genommen, eher in den Gefühlen und Gedanken ihrer Mitmenschen, und können darunter sprichwörtlich leiden. Allerdings halten ekpathische Züge eine Person davon ab, sich zu sehr in Situationen hineinzusteigern und daran zu zerbrechen. Es sollte also beide Charakteristiken in Kombination betrachtet werden, um ein stimmiges und vor allem positives Gesamtbild erhalten zu können.

Haben ekpathische Menschen Mitgefühl?

Selbstverständlich ist das Gefühl des Mitleids bei ekpathischen Menschen vorhanden. So wie jede andere emotionale Regung auch. Allerdings verfallen Ekpathen nicht in Euphorie, sondern handeln besonnen und überlegt. Betreuen solche Personen Menschen, die gerade über einen großen Verlust trauern, sind sie in der Lage zu trösten, doch behalten sie dabei einen kühlen Kopf. Sie überdenken den nächsten Schritt, helfen bei Vorbereitungen verschiedenster Art und lassen sich nicht von den traurigen Gedanken lenken, obwohl sie diese ebenfalls in sich tragen.

Sind Ekpathen gefühlskalt?

Das kann klar verneint werden. Lapidar könnte gesagt werden, dass diese Personengruppe sich nicht von Gefühlen leiten lässt. Sie behalten den Überblick, obwohl sie durchaus Sympathie für Betroffene haben. Das bringen sie auch zum Ausdruck. Allerdings schützen sie sich vor nervlichen Zusammenbrüchen durch ihre überlegten Handlungen und Vorgehensweisen.

Schutz vor emotionaler Manipulation

Kennst du Leute, die mit Leichtigkeit ihre Laune auf andere Mitmenschen übertragen können? Es spielt keine Rolle, ob das außerordentliche Freude oder auch Frustration ist. Sie können gute Stimmung innerhalb von Minuten komplett zunichtemachen. Häufig sind solche Zeitgenossen sehr anstrengend, sie rauben die eigene Energie. Im Umgang mit ihnen fühlst du dich schnell matt und ausgelaugt. Um dich vor solchen Personen zu schützen, gibt es ekpathische Fähigkeiten. Sie schützen davor, dich allzu schnell von Stimmungen einfangen zu lassen, unabhängig davon, ob es um positive oder negative Emotionen geht. Sie lassen dich überlegt vorgehen und erst einmal über die Gesamtsituation nachdenken, bevor du dich auf die vorherrschende Laune einlässt.

Kann dieser emotionale Schutz erlernt werden?

Vorweg kann gesagt werden, dass vielen Menschen dieser Schutzmechanismus gegeben ist, ohne dafür etwas üben zu müssen. Doch es gibt auch Leute, die sich viel zu leicht beeinflussen und mitreißen lassen. Zu schnell sind sie offen für manipulative Emotionen und lassen sich dabei auszehren. Dieser Personenkreis sollte versuchen, das eigene Verhalten zu überdenken und zu ändern. Das ist sicherlich nicht leicht. Durch die positive Aussagekraft des Begriffs gelten Menschen gerne als empathisch. Das Gegenteil von Empathie ist jedoch kein negativer Wesenszug. Vielmehr ist es ein Hinweis des menschlichen Verstandes, der emotionale Zusammenbrüche verhindern will.

Wie kannst du dich vor emotionalen Energieräubern schützen?

So schwer es klingt, du musst auch einmal „Nein“ sagen können. Lass dich in hitzigen Diskussionen nicht einwickeln. Auch wenn du nicht einer Meinung mit einem guten Freund bist, heißt es nicht, dass du ihn nicht magst oder verstehst. Versuche ihn davon zu überzeugen, dass nicht alles auf der Welt Schwarz oder Weiß ist. Es gibt so viele Farben zwischen diesen Tönen. Um das situationsbezogen vermitteln zu können, musst du

1.) nachdenken
2.) Situationen erfassen und abwägen
3.) Argumente haben und äußern
4.) beruhigend auf das Geschehen einwirken

Nicht nur Mitgefühl, sondern besonnenes Handeln und das Zeigen von Verständnis sind eine Hilfe für deine Mitmenschen. Dass du nicht sofort in die Schiene der von ihnen gezeigten Gefühlsregungen gerätst, macht dich zu keinem schlechten Menschen, sondern zu einem Realisten, der weiß, was in brenzligen Momenten zu tun ist.

Ekpathie ist also viel mehr als das Gegenteil von Empathie. Beide Eigenschaften sind eng miteinander verbunden. Sie können nicht wirklich ohne einander existieren. Allzu schnell werden gegensätzliche Charakterzüge als schlecht oder zumindest unvorteilhaft abgestempelt. Dabei handelt es sich vor allem hier um den Schutz der eigenen Seele zum Wohle einer Situation oder eines geliebten Menschen. Nichts daran ist verkehrt oder negativ behaftet. Halte dir das stets vor Augen.