Was ist Selbstsabotage, wenn Du Dir selber nicht guttust

In unserer Gesellschaft ist die Prokrastination ein bekanntes Phänomen. Die sogenannte Aufschieberitis ist der Hang zum Aufschieben von unliebsamen Arbeiten und Aktivitäten. Es gibt gute Gründe und noch bessere Ausreden, um die lästigen Aufgaben vor sich herzuschieben.


Die Aufschieberitis ist nicht das eigentliche Problem. Sie ist ein Symptom eines negativen Selbstbildes. Psychologen nennen es Selbstbehinderung oder Selbstsabotage. Gemeint ist eine Strategie, mit der Menschen durch ihr Verhalten die eigenen Wünsche und Ziele durchkreuzen. Sie verhindern das Gelingen von alltäglichen oder fordernden Aufgaben. Das Verhalten entbehrt jedweder Rationalität und Konstruktivität.

Neben der Prokrastination sind selbstzerstörerische Gedanken und übertriebener Perfektionismus weitere Indizien, die ein negatives Selbstbild bestimmen. Oft stehen wir uns selbst im Weg, sei es in der Beziehung oder im Job. Wenn Du Dir selbst nicht guttust und Dein größter Feind bist, wirkt sich das negativ auf Deine Ziele aus. Du verharrst in Situationen, die Dich unglücklich machen. Deine Unzufriedenheit wächst. Im Beitrag beleuchten wir die Frage, wie sich Selbstsabotage äußert, welche Ursachen es dafür gibt, dass Du Dir selber nicht guttust und wie Du den Teufelskreis durchbrichst.

Wie äußert sich Selbstsabotage?

Selbstsabotage zeigt sich in verschiedenen selbstschädigenden Verhaltensweisen:

  • Du schiebst Dinge auf, die Du dringend erledigen müsstest.
  • Du kannst nicht NEIN sagen, obwohl Du die Aufgabe nicht bewältigst und Dein Stresspegel steigt.
  • Du stellst die Interessen anderer Personen über Deine eigenen und leidest zunehmend unter Deinen unbefriedigten Bedürfnissen.
  • Du boykottierst Dich selbst, indem Du Dir Deine Schwächen und Unzulänglichkeiten einredest und wiederholt vor Augen führst.
  • Du misstraust anderen Menschen und unterstellst ihnen böse Absichten, was jegliche Beziehung unterbindet.

Entwickelt sich Dein Verhalten zur chronischen Selbstsabotage, entstehen veritable Versagensängste. Die Angst vor Misserfolgen wächst in Dir heran. Folglich nimmst Du eine Vermeidungshaltung ein. In extremen Fällen zeigt sich die Selbstbehinderung in zerstörerischem Verhalten. Besagte Personen übernehmen wissentlich Aufgaben, die sie nicht bewältigen. Das Versagen bestätigt ihnen ihre Minderwertigkeit. Wenn Betroffene dieses Verhalten zeigen, ist es für sie nahezu unmöglich, ohne fremde Hilfe den Teufelskreis zu durchbrechen. 

Gründe für die Selbstsabotage

Für die Ursachen der Selbstsabotage gibt es verschiedene Theorien. Ein Teil der Forscher führt sie auf ungelöste Probleme und Erfahrungen in der Kindheit zurück. Andere Wissenschaftler sehen die Selbstsabotage als Symptom eines geringen Selbstbewusstseins.

Es gibt unterschiedliche Wege, wie Menschen mit Schwächen und ihrem Versagen umgehen. Der überwiegende Teil analysiert Fehler, lernt aus ihnen und macht weiter. Personen, die sich selbst sabotieren, erkennen in sich einen unperfekten Normalo. Negative Emotionen und Erfahrungen nähren die Selbstzweifel. Dauern sie längere Zeit an, formt sich das negative Selbstbild. Selbsterfüllende Prophezeiungen und Selbstkritik schüren Ängste. Sie reißen Betroffene mit sich in den Abgrund.

Meidest Du schwierige Situationen und jede Gelegenheit zu wachsen, führt das zu einer Persönlichkeitsstörung. Du überzeugst Dich von der Annahme, dass Du die Aufgabe nicht bewältigst. Du fühlst Dich unfähig neue Herausforderungen zu stemmen. Mangelnde Fähigkeiten setzt Du mit Unfähigkeit gleich. Das verhindert, dass Du an Deinen Erfahrungen wächst.

Ein geringes Selbstwertgefühl ist der Auslöser für die Selbstsabotage. Wer eine geringe Meinung von seinen Fähigkeiten hat, liebt sich nicht. Du erlaubst Dir nicht, aus Deiner Komfortzone auszubrechen, um Dich weiterzuentwickeln. Du glaubst, dass Du diese Chance nicht verdienst, dass Du der Aufgabe nicht gerecht wirst und nicht würdig bist, Dein Ziel zu erreichen.

Eine überfürsorgliche Familie ist ein weiterer Faktor, der die Selbstsabotage begünstigt. Die Familie sendet zwei Botschaften aus. Zum einen, dass die Menschen, die Dich lieben, Dich beschützen. Du bist nicht allein. Auf der anderen Seite suggerieren Dir überfürsorgliche Eltern, dass Du Deine Eltern brauchst, um Dich zu beschützen. Sie geben Dir das Gefühl, dass Du allein nicht in der Lage bist, zurechtzukommen. Die zweite Botschaft führt unweigerlich zur Selbstsabotage. Die überfürsorgliche Familie führt zu einer Abhängigkeit. Du brauchst sie, um Dich sicher und kompetent zu fühlen. Im Zuge des Erwachsenwerdens sabotierst Du Dich selbst. Fehlt der einstige Schutz der Familie, tauchst Du in den Teufelskreis der Selbstsabotage ein.

Selbstschutz ist ein wesentlicher Grund für die Selbstsabotage. Die Gedanken kreisen um die Konsequenzen, die aus dem Erreichen Deines Zieles resultieren. Schaffst Du es nicht, musst Du Dir eingestehen, dass Du nicht gut genug bist. Dein Selbstwertgefühl schwindet. Es ist einfacher, anderen Personen die Schuld am eigenen Versagen zu geben. Die Angst hält Dich von einem ernsthaften Versuch ab. Um dem Scheitern zu entkommen, lehnst Du den Job ab, das neue Projekt oder einen potenziellen Partner.

Die Angst vor einer Veränderung ist ein weiterer Grund für die Selbstsabotage. Erreichen wir das Ziel, bringt dies Veränderungen mit sich. Gewohnte Dinge, Tätigkeiten und Abläufe geben Sicherheit. Das Verlassen der Komfortzone ist für viele Personen schwierig.

Die Angst vor der sozialen Zurückweisung von Freunden und der Familie bringt viele Menschen dazu, ihre Ziele zu verwerfen. Sie fürchten sich vor dem kritischen Blick von Personen ihres Umfelds. Um den vermeintlichen Spott für ihr Vorhaben nicht zu ernten, legen sie ihre Pläne auf Eis.

Wie Du Selbstsabotage verhinderst

Das Phänomen betrifft Personen, die ihre Umwelt bewusst wahrnehmen, die über sich selbst reflektieren, die empathisch sind und versuchen perfekt zu sein. Sie leiden unter den eigenen Fehlern. Um die Selbstsabotage zu stoppen und das Verhalten langfristig zu ändern, hilft die Selbsterkenntnis. Machst Du Dir bewusst, dass Du Dich selbst sabotierst, erkennst Du negative Verhaltensweisen im Voraus.

Die Selbsterkenntnis ist ein erster Schritt auf einem langen Weg. Um mit dem Problem umzugehen, machst Du Dir klar, dass Ängste zum Leben dazugehören. Probierst Du Neues aus und entwickelst Dich weiter, sind Angst und Ungewissheit ständige Begleiter. Sie sind ein Teil Deiner Entwicklung.

Um sich von der Selbstsabotage zu lösen, ist es wichtig, dass Du Dir Deine Schwächen und Fehler vergibst. Kein Mensch ist perfekt. Strebst Du ständig nach Perfektionismus, ist das ineffektiv. Du versperrt Dir den Blick auf das wirklich Wichtige. Das Streben nach Perfektion mündet in vermindertem Selbstvertrauen.

Fazit: Selbstsabotage verhindert Erfolge

Wenn Du Dir selbst im Weg stehst, erzielst Du keine Erfolge, weder beruflich noch im Privatleben. Die Angst vor dem Versagen führt dazu, dass Du Dich selbst sabotierst. Du redest Dir ein, dass Du nicht gut genug bist, dass Du die Arbeit nicht schaffst. Du hast Angst vor Veränderungen und erstickst jede Chance im Keim.

Prokrastination, ein geringes Selbstwertgefühl, selbstzerstörerisches Verhalten und Perfektionismus sind die ausfälligsten Symptome eines negativen Selbstbildes. Gelingt es Dir aus dem Schutzmechanismus der Selbstsabotage auszubrechen, erreichst Du Deine Ziele. Du entwickelst Dich weiter und arbeitest an Deiner Zufriedenheit. Ausschlaggebend für eine Veränderung Deines Verhaltens sind Selbsterkenntnis und der Wille zur Veränderung.

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Karina Wohlleben
Karina Wohlleben
Karina Wohlleben ist Soziologin und und Mutter. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Menschen bei der Persönlichkeitsentwicklung. Für unser Portal schreibt sie fachliche Artikel rund um Psychologie und Persönlichkeit.

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