Die unreife Persönlichkeit – einfache Wahrheiten und ein kleines Ego

Ursachen für eine unreife Persönlichkeit

Benimmt sich ein Mensch in einer Situation unreif, steckt nicht zwangsläufig eine psychische Störung dahinter. Von dieser sprechen Psychologen, wenn sich Anzeichen einer unreifen Persönlichkeit im alltäglichen Leben häufen. Hierbei handelt es sich um eine unspezifische Persönlichkeitsstörung. Unter Umständen äußert sie sich bei mehreren Personen auf unterschiedliche Weise.

Die unreife Persönlichkeit lebt in Abhängigkeit

Bei unreifen Persönlichkeitsstörungen existieren verschiedene Ausprägungen. Sie treten gleichzeitig oder unabhängig voneinander auf. Zu den häufigen Verhaltensweisen von Personen mit mangelnder Reife zählen:

Die narzisstische Abhängigkeit stellt ein Merkmal dieser Persönlichkeitsstörung dar. Sie erweist sich nicht als existenziell. Sie tritt psychologisch bedingt auf. Leiden Menschen an einer unreifen Persönlichkeit, hängen Selbstbewusstsein und die Sicht auf das Leben von äußeren Faktoren ab. Bei diesen handelt es sich beispielsweise um die Anerkennung Dritter. Dementsprechend sehnen sich Betroffene nach Bestätigung.

Bleibt diese aus, zweifeln sie an ihrem Selbstwert. Im Laufe ihres Lebens warten sie, ihren Wert verliehen zu bekommen. Eine reife Persönlichkeit entwickelt ein Selbstverständnis ihres Werts. Durch Rückhalt der Bezugspersonen lernt sie ihre Stärken und Schwächen kennen. Die realistische Auseinandersetzung mit der eigenen Identität führt zu Selbstvertrauen. Dieses fehlt einem Menschen mit unreifer Persönlichkeitsstörung. Der im Volksmund bekannte Ausspruch „kleines Ego“ trifft auf sie zu.

Welche Umstände die unreife Persönlichkeit braucht, um eine Lebensbejahung zu formulieren, hängt von ihrem Selbstbild ab. Gleichzeitig nimmt das Weltbild Einfluss auf die Lebensansicht.

Hierbei zeigen sich mehrere Grundmuster:

  • Unreife Personen sehen in der Bestätigung des Umfelds eine wesentliche Bedingung für das eigene Wohlbefinden.
  • Ohne die Anerkennung im Freundeskreis, am Arbeitsplatz oder in der Familie wankt das Selbstwertgefühl.
  • Die Akzeptanz des Lebens und der eigenen Person findet vorrangig bei einem positiven Gefühlsleben statt. Dementsprechend führen unbequeme Situationen schnell zu einer emotionalen Krise oder einer Fluchtreaktion. Die Unfähigkeit, sich Problemen zu stellen, erweist sich als weiteres Merkmal unreifer Personen.
  • Eine Voraussetzung für die Lebensbejahung stellen Stimmungen, die zum Selbstbild passen, dar. Auf Situationen, in denen sich unreife Persönlichkeiten genieren, reagieren sie aggressiv oder beleidigt. Da ihr Selbsterleben vom Zuspruch anderer abhängt, bauen sie eine „respektable Scheinpersönlichkeit“ auf. Deren Sinn besteht darin, sich die Anerkennung Dritter zu sichern. Sobald diese Fassade Risse bekommt, folgen Aggression oder Fluchtreaktion.

Eine unreife Persönlichkeit glaubt, dass sie ihrem Selbstbild entsprechen sollte. Dabei existieren mitunter gravierende Unterschiede zwischen Fremd- und Selbstbild. Vereinfacht bedeutet das, unreife Personen akzeptieren nicht die eigene Identität. Sie versuchen, einem selbst gewählten Wunschbild zu entsprechen. Auf ihre Umgebung wirken sie bei diesem Versuch unsicher oder verstellt. Um die eigene Autorität aufrechtzuerhalten, kommt es unter Umständen zu unreifen Verhaltensmustern.

Fühlt sich eine unreife Person verunsichert, überspielt sie den vermeintlichen Makel ihres Selbstbilds mit Aggression. Sie erhebt die Stimme. Gleichzeitig kommt es vor, dass sie Schuldzuweisungen ausspricht, sich selbst aber in der Opferrolle sieht. Hier greifen folgende Denkmuster:

  • Andere haben Schuld.
  • Andere verstehen mich nicht.
  • Die anderen akzeptieren meine Autorität nicht.

Abhängige Menschen – zu denen unreife Persönlichkeiten zählen – halten an der Vorstellung, die Wirklichkeit müsse sich ihrem Weltbild anpassen, fest.

Wie häufig kommen unreife Persönlichkeiten vor?

Eine dependente (abhängige) Persönlichkeitsstörung tritt bei einem bis zwei Prozent der Bevölkerung auf. Sie zeigt sich bei Männern und Frauen gleichermaßen. Betroffene leiden unter Umständen an weiteren Störungen, beispielsweise:

  • Angststörungen,
  • somatoformen Störungen,
  • Depressionen und
  • selbstunsichere Persönlichkeitsstörung.

Die unreife Persönlichkeitsstörung entspricht in vielen Bereich der dependenten Störung. Sie ist weniger stark ausgeprägt und dementsprechend schwerer zu diagnostizieren. Im Gegensatz zur klassischen Dependenz zeigt sich Unreife häufiger. Mit hoher Wahrscheinlichkeit bist Du in Deiner Schulzeit oder Deinem Arbeitsleben einem Menschen mit unreifer Persönlichkeit begegnet.

Diese versuchen, ihre Umgebung dem eigenen Weltbild anzupassen. Da ihnen die Selbstbestätigung fehlt, sehnen sie sich nach Bestätigung von außen. Aus dem Grund schließen sich Personen mit unreifer Persönlichkeitsstörung häufig Ideologien an. Psychologen und Hirnforscher wie Gerhard Roth vermuten entsprechende Persönlichkeitsprofile unter links- und rechtsextremistischen Gruppen.

Wie entsteht eine unreife Persönlichkeit?

Eine pauschale Antwort auf die Frage, welche Ursache es für unreife Persönlichkeiten gibt, existiert nicht. Mehrere Faktoren wirken sich auf die Persönlichkeitsbildung aus:

  • die genetische Veranlagung,
  • biologische Faktoren,
  • psychosoziale Faktoren,

Unspezifische Störungen wie die Unreife resultieren teilweise aus der unzureichenden Erfüllung kindlicher Grundbedürfnisse. Unter Umständen führt die fehlende Eigenständigkeit in der Entwicklung zu einer unreifen Persönlichkeitsstörung. Des Weiteren spielt das Modelllernen von Bezugspersonen eine Rolle. Handelt bereits ein Elternteil unreif, nehmen sich die Kinder ein Beispiel. Das geschieht vorrangig, wenn das unreife Verhalten auf fruchtbaren Boden stößt und aus Sicht des Kindes zum Erfolg führt.

Ein Beispiel stellt die Verweigerung häuslicher Pflichten dar. Passt es nicht zum Selbstbild des Vaters, Hausarbeit zu verrichten, reagiert ein Mann mit unreifer Persönlichkeit passiv-aggressiv auf eine derartige Bitte. Alternativ erhebt er die Stimme und versucht, der Partnerin Schuldgefühle zu vermitteln. Gibt diese nach, erkennt das Kind, dass das Verhalten des Vaters zum Erfolg führt. Es nimmt sich die unreifen Verhaltensweisen an, sofern es eine entsprechende Veranlagung aufweist.

Obgleich unser Beispiel einen unreifen Vater ins Visier nimmt, tritt eine unreife Persönlichkeitsstörung gleichermaßen bei Frauen auf. Bei der Entwicklung der Störung spielen psychosoziale Faktoren die ausschlaggebende Bedingung. Auslöser für eine erhöhte Vulnerabilität – Verletzbarkeit – sind:

  • ein ängstliches oder leicht erregbares Temperament,
  • ungünstige Bindungs- und Erziehungsstile aus dem Elternhaus,
  • kritische oder traumatische Ereignisse sowie
  • fehlender sozialer Rückhalt.

Eine unreife Persönlichkeit

Unreife Persönlichkeitsstörung und die Ursachen in der Kindheit

Eine unreife Persönlichkeit tritt nicht plötzlich auf. Sie entwickelt sich über die Jahre. Ihren Anfang nimmt die Persönlichkeitsstörung im Normalfall in der frühen Kindheit. Sie resultiert aus dem Zusammenspiel umweltbezogener, biologischer und psychischer Faktoren. Bei der psychoanalytischen Theorie gehen Forscher von einem überbehütenden Elternhaus aus.

Die engsten Bezugspersonen benehmen sich dem Kind gegenüber behütend-autoritär oder behütend-liebevoll. Die starke Überbehütung führt unter Umständen zu Unsicherheitsgefühlen bei den Sprösslingen. Sie verlassen sich auf die Eltern, die ihre Umgebung dem Weltbild des Kindes anpassen. Gleichzeitig verstärkt diese Art der Erziehung Trennungsängste und fördert die Abhängigkeit des Nachwuchses gegenüber den Bezugspersonen.

Nutzt Du die kognitive Verhaltenstherapie als Erklärungsansatz für eine unreife Persönlichkeitsstörung, spielt das Verhalten der Eltern eine prägende Rolle. Versuchen diese, die natürliche Abnabelung des Kindes zu sabotieren, bestrafen sie beispielsweise unabhängiges Handeln.

Zugleich erfolgt die Belohnung abhängigen Verhaltens. In der Folge prägen sich bei dem Nachwuchs abhängige und unreife Verhaltensmuster ein. Der Wunsch nach Anerkennung entsteht durch die Überbehütung durch die Eltern. Um diesen zu gefallen, passt sich das Kind ihren Lebensansichten an.

Fortan beeinflusst diese Anpassung den Lebensweg. Dieser Faktor erklärt, warum sich unreife Persönlichkeiten häufig einer vorherrschenden Meinung oder einer Ideologie unterordnen.

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