verletztes inneres Kind
verletztes inneres Kind Copyright: agsandrew bigstockphoto

Unser verletztes inneres Kind

Du hast das sicher schon erlebt: dein Gegenüber reagiert auf eine anscheinend wenig problematische Situation unpassend heftig. Du bist erstaunt und irritiert und weißt nicht mit dieser übertriebenen Reaktion umzugehen. Mehrere Faktoren – von einer schlechten Tagesform, bis hin zu Stress jeder Art – können der Auslöser für eine sogenannte Überreaktion sein. Aber auch, und daran denken wir selten, kann sich hier das verletzte „innere Kind“ zu Wort melden.

  • Belebe deine Kindheit: wecke Erinnerungen und erlebe sie erneut
  • Nimm dir Zeit: dein „inneres Kind“ war vielleicht Jahrzehnte allein
  • Spreche mit deinem „inneren Kind“: das ist nicht merkwürdig, sondern ein guter Weg
  • Nimm schlechte Gefühle hin: sie gehören zu dir und müssen dir bewusst werden
  • Akzeptiere dich in deiner Kindheit: du hattest keinen Einfluss auf Gutes oder Schlechtes

Das innere Kind – was ist das eigentlich?

Unter dem Begriff das „Innere Kind“ versteckt sich eine bestimmte Vorstellung der Psychologie, die unter diesem Begriff all das subsumiert, was wir unter Erfahrungen, Gefühlen oder Erinnerungen aus unserer Kindheit verstehen.

Erinnerungen, dazu gehören auch die zugeordneten Gefühle und emotionalen Reaktionsmuster, die sich in deiner Kindheit etabliert haben, werden in deinem Unterbewusstsein als sogenannte Engramme abgelegt und verlassen dich niemals. Diese Engramme sind unauslöschlich tief in deinem Unterbewusstsein verankert und dein Bewusstsein hat keinen Zugriff auf sie.

Die Kindheit – die Wurzel allen Denken, Fühlen und Handelns

Vom ersten Tag deines Lebens an, bist für viele Jahre in absoluter Abhängigkeit anderer Menschen. Zunächst namentlich deine Mutter, später tritt dein Vater als wesentliches Element deiner Prägung in dein Bewusstsein, später stehst du dann in der Abhängigkeit von, sagen wir: in der Regel mehr oder eher weniger gut geschulten Pädagogen. Hier ist nun also der Boden bereitet für wunderbare positive, stärkende und Vertrauen schaffende Erlebnisse. Leider aber kann aber auch das genaue Gegenteil stattfinden.

Die Kindheit schafft unser „inneres Kind“ – im Guten, wie im Schlechten

In Abhängigkeit wollen wir gefallen. Was bleibt denn sonst übrig? Wir wollen Mutter und Vater gefallen, wir wollen den Lehrern gefallen, wir wollen für uns wichtigen Personen gefallen. Das ist eine natürliche Reaktion, die unserer kindlichen Abhängigkeit geschuldet ist. Wir alle strebten (und streben) nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Liebe. Negative Erfahrungen, die während dieses Prozesses gemacht werden, finden ihren direkten Niederschlag in unserem „inneren Kind“.

Zu wenig Liebe, schmerzhafte Erlebnisse oder gar Missbrauch in welcher Form auch immer, hinterlassen unauslöschliche Spuren in unserer Psyche – Spuren in unserem „inneren Kind“. Um als erwachsener Mensch mit diesen schlechten immanenten Erfahrungen, die im Unterbewusstsein abgelegt sind, leben zu können, versuchen wir unserer „inneres Kind“ abzulehnen.

Wir erinnern uns: Unser Unbewusstes hat großen Einfluss auf unser aktuelles Verhalten. So besitzt die Prägung unserer Psyche, die in den Jahren unserer Kindheit vollzogen wird, großen Einfluss auf unser psycho-soziales Verhalten als erwachsener Mensch.
verletztes inneres Kind
Unser verletztes inneres Kind Copyright: agsandrew bigstockphoto

Das „innere Kind“ ablehnen – ein normaler, aber problematischer Vorgang

Wir wissen nun, dass wir unser „inneres Kind“ in seiner Ausprägung unveränderlich in uns tragen. Und wir wissen auch, dass es aus den Tiefen unseres Unterbewusstseins das tägliche Handeln und Fühlen, für uns unbewusst, stark beeinflusst. Die Prägung der Psyche durch die Kindheit lässt uns viele Situationen des Lebens als schwierig und emotional unangenehm erleben. So lehnen wir unser „inneres Kind“ ab und bemühen es so weit als möglich zu verdrängen. Das allerdings bringt einen großen Verlust mit sich.

Das „innere Kind“ – die Welt in einem Sandkorn sehen

Wir alle erinnern uns an das Gefühl unbändiger Neugierde, die Wogen unbegrenzter Phantasie, oder an das Gefühl der Geborgenheit im Einssein mit unserer erlebten Umwelt. Glücksmomente, die auch in den Jahren unseres Erwachsenseins hin und wieder aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche dringen und uns an größte Zufriedenheit und absolutes Glück erinnern.

Gefühle, die sich in größter Lebensfreude äußern und in dieser Form nur Kindern möglich sind. Auch sie sind in unserem „inneren Kind“ gespeichert. Wertvolle Gefühle und positive Emotionen können ebenso wie negative Erfahrungen vom „inneren Kind“ auf uns wirken.

Erwachsen – und nun?

Du bist erwachsen und hast nun mal Verantwortung und keine Zeit für irgendwelche „Kindereien“. Ungesteuerte Emotionen haben in deinem Leben ebenso wenig Platz wie romantische Vorstellungen oder gar Gefühlsduseleien. Ist das wirklich so? Bist du wirklich so entbunden, so weit entfernt von kindlichen Aspekten deiner Persönlichkeit? Du hast deinen „inneren Erwachsenen“ gut geprägt und stark gemacht. Zu stark vielleicht… Das können dir verschiedene Momente in deinem täglichen leben zeigen.

Das „innere Kind“ erfolgreich verdrängt – aber alles Verdrängte findet seinen Weg

Unerwartet überkommen dich, ausgelöst durch Eindrücke aus einer Umwelt, Gesprächen oder auch Gerüchen, überwältigende Gefühle und starke emotionale Regungen. Aber auch in einer Auseinandersetzung kann es zu einem Aufblitzen verdrängter Gefühls- und Verhaltensmuster kommen: Schnell gerät jeder Beziehungsstreit zu einer unsachlichen, von eher kindlichen Zügen geprägten sinnlosen Zankerei. Wir erinnern uns: als Kind wollten wir gefallen – und in unserer Beziehung auch! Eine offenkundige Parallele und in diesen Situationen kommt unser „inneres Kind“ besonders zum Tragen. Deine Verdrängungsstrategie scheint nicht ganz aufzugehen. Was tun?

Freundschaft zwischen dem „inneren Kind“ und dem „inneren Erwachsenen“

Solltest du an dir beobachten, dass deine Reaktion auf etwas ganz Alltägliches geprägt ist von übergroßer Wut, stärkster Angst oder intensivem Schmerz, nimm es zum Anlass inne zu halten und dich auf den Weg in deine Vergangenheit zu machen. Was war da? An was erinnert die die erlebte Situation, die dich so aus der Reserve gelockt hat? Kannst du dir deine Reaktion durch einen Blick in die Vergangenheit vielleicht erklären?

Auf der anderen Seite: Lasse Raum für die positiven „Rippenstöße“ deines „inneren Kindes“. Brich einmal aus! Habe Mut zum Schwänzen wenn die Sonne scheint. Geh‘ ohne Schirm durch den Regen – Stapfe durch eine Pfütze und lache mit deinem „inneren Kind“!